Heute geht es um das liebe Geld. Darüber sprechen wir in unserem Lande ja nicht so gerne. Egal was man sich unter Freunden erzählt – was auf dem Gehaltszettel steht, das wollen wir nicht teilen.

Dabei täte es uns geht, mehr darüber zu sprechen. Nämlich nicht zu wissen, was andere verdienen, ist eine Hürde, die es für die nächste Gehaltsverhandlung zu nehmen gilt.

Eine noch größere Hürde ist jedoch, meiner Erfahrung nach, die eigene Stimme im Kopf. Die Stimme die sagt „Ach, ich krieg doch genug. Hauptsache, der Job macht mir Spaß“. Die Stimme, die sagt „Wenn ich meinen Chef um mehr Geld bitte, mag der mich dann noch? Ich verschiebe das Gespräch lieber noch mal.“ Oder die Stimme, die tatsächlich darauf vertraut, dass der Chef ums Eck kommt und von sich aus sagt: „Frau XY, Sie machen hier so tolle Arbeit, deshalb kriegen Sie von uns 10% mehr Gehalt.“

Kurzer Realitätscheck: Den Chef gibt es nicht. Obwohl, das stimmt nicht. Ich hatte mal einen Chef (der sehr kumpelhaft unterwegs war), der tatsächlich, eher beiläufig, erwähnte, dass ein Kollege, der kurz vor mir angefangen hatte, jetzt eine Gehaltserhöhung bekommen würde. Sie wollten den Kollegen schließlich nicht verlieren. Der Kollege hatte gar nicht darum gebeten, wohlgemerkt. Wie laut die oben genannte Stimme in meinem Kopf war, können Sie sich denken, wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass es bei mir einige Momente gedauert hat, bis sich in meinem Kopf auch nur der Gedanke regte „Und ich?“.

Seither habe ich immer wieder Gehaltsverhandlungen geführt und ich muss Ihnen sagen, es gibt nichts, was ich mehr hasse. Buchstäblich. Und gar nicht, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe, sondern weil ich es furchtbar finde, mehr Geld zu verlangen. Total dämlich. Und ich tue es nur, weil ich weiß, dass es dazu gehört und ich mich sonst gräme, wenn ich herauskriege, dass meine männlichen Kollegen mehr verdienen als ich. Bis ich endlich einen Termin vereinbare, muss ich jedoch mich richtiggehend austricksen. Beispielsweise hilft mir zur Motivation, dass ich einen Teil meiner Gehaltserhöhung für einen guten Zweck spende. Den exakten Betrag nehme ich mir im Vorhinein vor und wenn ich erfolgreich beim Verhandeln war, wird auch gespendet. Der Gedanke, dass das was ich da raushole, anderen zu gute kommt, die es dringender brauchen als ich, motiviert mich.

Das einzige was mich tröstet, ist, dass ich mit meiner Verhandlungsabneigung in guter Gesellschaft bin – es geht vielen Frauen so. Nur leider kostet uns das im Laufe einen Berufslebens verdammt viel Geld. Geld, das dann beispielsweise bei der Rente fehlt.  

Deshalb ist dies kein positiv-denken-motivierender Post, sondern ein manchmal-macht-der-Mist-überhaupt-keinen-Spaß-aber-manche-Sachen-müssen-einfach-gemacht-werden Post.

Also, ran an die Kohle – hier kommt die Checkliste:

 Eine Leserin hat mir letztens geschrieben. Sie meinte, dass aus ihrer Sicht das Thema „Frauen in Führungspositionen“ gerade eher wieder rückläufig wird und die Verhältnisse konservativer in den Unternehmen. Das ist spannend und ich muss zugeben, Sie hat nicht Unrecht.

Einerseits ist das Thema gefühlt in aller Munde und speziell in den Medien vergeht keine Woche, dass nicht Artikel dazu erscheinen. Wenn man sich jedoch anschaut, an wen Führungspositionen gehen, dann stellt man immer noch fest, dass es nur sehr wenige Frauen sind.

In der Vergangenheit war ich äußerst irritiert, wie teilweise Führungspositionen in Unternehmen, in denen ich gearbeitet hatte, vergeben wurden. Manchmal hatte ich, und nicht nur ich, den Eindruck, dass es ausreichend war, ein Mann zu sein und anwesend – und man(n) bekam eine Führungsposition. Während viele äußerst kompetente Frauen gar nicht in Erwägung gezogen wurden.

Christine Williams* hat den Begriff des „Glass Escalators“ definiert: die gläserne Rolltreppe. Angelehnt an die gläserne Decke, führt die gläserne Rolltreppe zur überproportionalen Beförderung von Männern in von Frauen dominierten Bereichen.  Meiner Erfahrung nach gibt es dieses Phänomen auch in Unternehmen, in denen Frauen nicht dominieren.

Gründe dafür gibt es viele: sei es das Problem der mangelnden „Likability“ von kompetenten Frauen, über die Sheryl Sandberg in „Lean In“ geschrieben hat. Oder dass Manager gerne „ihresgleichen“ einstellen und fördern, wie Lauren A. Riviera in einer Studie** beschreibt.

Jetzt kann man darüber lamentieren, nur das bringt uns nicht weiter.

Ihre Freunde und Ihre Familie sind Ihr größtes Kapital. Ehrlich! Warum? Wer sonst steht uneingeschränkt auf Ihrer Seite? Wer kennt Ihre Schwächen wie niemand anderes und mag Sie trotzdem? (Hier sehen Sie mich lachen…) Wer sagt Ihnen die Wahrheit, auch wenn Sie wehtut? Und wer erinnert Sie daran, dass Sie talentiert und liebenswert sind, auch wenn Sie es gerade gar nicht sehen?

Das ist Ihre Familie und das sind Ihre Freunde.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich ohne mein soziales Umfeld nicht dort wäre, wo ich bin. Denn umso mehr beruflich der Wind um die Nase weht, umso mehr brauche ich Menschen, die mir privat den Rücken stärken.

Was viele unterschätzen, ist, dass man als Führungskraft oft alleine dasteht. Man gehört nicht richtig zum Team. Unter Führungskräften können zwar Freundschaften entstehen, jedoch sollte man sich sicher sein, dass diese Freundschaften auch mal eine Meinungsverschiedenheit im beruflichen Sinne aushalten können müssen. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Außerdem lässt die Freundschaft schnell nach, sobald man (scheinbar) um die gleichen Posten konkurriert.

Frauen schrecken aus diesem Grund oft instinktiv vor einer Führungsrolle zurück. Und ich muss sagen – das kann ich verstehen. Allerdings glaube ich, dass es gegen die Einsamkeit an der Spitze ein Gegenmittel gibt. Und das nennt sich: Privates Umfeld.

Ein gutes privates Umfeld gibt Ihnen gleich mehrere Dinge:

Es schützt Sie vor der Einsamkeit an der Spitze – bzw. es gleicht diese aus. Und zum anderen kann dieses Umfeld Ihnen Resonanzboden dienen – als Sparringspartner, mit dem Sie Ihre beruflichen Sorgen teilen und wertvollen Input erhalten können.

Ich kann glücklicherweise auf mehrere dieser Schätze zurückgreifen:

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