Letzte Woche haben mich die Worte einer Leserin erreicht, die mir folgenden Kommentar hinterlassen hat: „Vielen lieben Dank! Ich bin in einer Führungsposition und auch ich kämpfe mit meiner Anfälligkeit für Tränen. Jeder Ratgeber erklärt mir, dass ich meine Karriere damit an den Nagel hängen kann. Mich ärgert es jedes Mal wenn ich das lese. Wie genau soll das Frauen helfen, denen das schon passiert ist? Warum schreibt niemand darüber wie man souverän damit umgeht?“

An dieser Stelle vielen Dank an Birgit. Zu lesen, dass ich mit meinen Worten jemandem helfen konnte, der in einer ähnlichen Situation war, ist immer das Allerschönste für mich.

Und Birgit bringt einen wichtigen Hinweis – nämlich „Wie geht man souverän damit um?“

Darüber möchte ich heute schreiben.

Das Thema ist gerade ganz schön aktuell, wie ein Blick in die aktuelle digitale Ausgabe der New York Times zeigt – gleich zwei Artikel zum Thema Tränen im Büro gibt es da diese Woche: How to Stop Yourself Crying und Why You Shouldn’t Feel Bad about Crying at Work.

Ein emotionales Thema, das viele umzutreiben scheint – auch wenn frau – und noch weniger mann – gerne darüber spricht.

Ich erinnere mich an eine Situation als ich, mit noch wenig Berufserfahrung, eine Leistungsbeurteilung von meinem Chef bekommen hatte. Ich war noch in der Probezeit, hatte noch nicht wirklich in meine Rolle gefunden und dementsprechend fiel das Feedback auch aus. Es war gar nicht so negativ, aber ein paar Kritikpunkte gab es schon. Aus irgendeinem Grund hatte mich da echt getroffen und mir kamen echt die Tränen. Das war noch gar nicht schlimm und hat auch meinen Vorgesetzten gar nicht irritiert. Was viel Schlimmer war, dass ich das ganz furchtbar fand. Zum in den Boden versinken furchtbar!

Was war das Ende vom Lied? Dass ich in den nächsten drei Tagen, immer, wenn ich meinen Chef sah, wieder mit Heulen anfing – weil ich es so peinlich fand. Der arme Mann muss sich auch gedacht haben: „Wen habe ich mir da nur ins Haus geholt?“.

Glücklicherweise war er ein toller Vorgesetzter. An Tag Drei holte er mich zu sich und erzählte mir von einer Situation, in der ihm in einer beruflichen Situation mal die Tränen gekommen waren. Dadurch signalisierte er mir, dass das gar nicht schlimm sei und jedem passieren könne. Ein größeres Geschenk hätte er mir nicht machen können. Von da ab ging es mit meiner Leistung bergauf und vor allem hatte ich von da an volles Vertrauen zu ihm. Also – voller Erfolg für beide Seiten, oder?

Deshalb – falls Ihnen mal bei einem negativen Feedback mal die Tränen kommen, schämen Sie sich nicht! Sondern sagen Sie: „Tut mir leid, dass mir gerade die Tränen kommen.“ In der Regel haben Chefs für solche Fälle die Taschentücher parat liegen. Ein guter Vorgesetzter wird die Chance nutzen, mehr zu erfahren, das Gespräch vertrauensvoll führen und letztendlich dadurch die Beziehung zu Ihnen stärken.

Falls dem nicht so ist – nun, dann brauchen Sie sich auch nicht schämen. Bitten Sie um Unterbrechung, gehen Sie auf die Toilette und sagen Sie sich ganz oft hintereinander „Schmerz, Schmerz, Schmerz, Schmerz, Schmerz…“ – in dem Sie sich sagen, was Sie gerade empfinden – nämlich Schmerz – aktivieren Sie Ihren präfrontalen Cortex und Sie bekommen Ihre Emotionen besser in den Griff. Was Sie auch noch machen können ist, dass Sie sich mal richtig durchschütteln – Minimum ein bis zwei Minuten, um dadurch wieder in einen besseren Zustand zu kommen.  Dann erinnern Sie sich, dass Sie nicht alleine sind und dass es nichts zu schämen gibt. Und dann wieder zurück zum Chef und weiter mit dem Gespräch. Sie können ja sagen „Es tut mir leid, das hat mich gerade kalt erwischt. Ich bin jedoch an Ihrem Feedback natürlich interessiert und würde das Gespräch gerne weiterführen.“

Manchmal fallen die Tränen jedoch nicht aufgrund von Schmerz, sondern aufgrund von Wut. Das wissen Männer meistens nicht – sie denken oft, dass Frauen nur aus Traurigkeit weinen. Stimmt aber nicht. Da Frauen es nicht, wie Männern, gestattet ist, bei Wut Aggression zu zeigen, neigen Frauen dann oft dazu, zu weinen.

Wenn Ihnen das passiert, machen Sie folgendes: Nehmen wir an, Sie sind in einem Meeting und werden angegriffen. Das bringt Sie in Rage und Ihnen kommen vor Wut die Tränen – dann sagen Sie langsam und laut: „Diese Tränen. Das sind Tränen der Wut.“

Damit geben Sie Ihren Tränen eine andere Bedeutung. Sie werden sehen, dass so eine Aussage Ihnen wieder Ihre Handlungsmöglichkeiten zurückgibt.

Ich habe auch schon Männer im Büro weinen sehen. Beispielweise einen Produktmanager, bei dem ich mal ins Büro gelaufen bin. Er hatte gerade eine ziemliche Klatsche kassiert (ich habe ja schon öfters darübergeschrieben – Unternehmen können brutal sein). Ich war betroffen, als ich ihn gesehen habe – jedoch habe in keiner Weise schlecht über ihn gedacht. Und ehrlich gesagt – hatte ich es auch total vergessen, bis ich mich an diesen Artikel gemacht habe. Der Mann ist übrigens heute noch Produktmanager und erfolgreich.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich glaube, dass das Wichtigste ist, dass Sie sich selbst nicht verrückt machen.

Wer Herzblut investiert, wird auch mal Emotionen zeigen. Es wird nicht immer alles glatt laufen.

Und natürlich wird auch mal jemand Ihre Tränen als Schwäche interpretieren. Und – was soll’s? Dann wird derjenige beim nächsten Mal schon merken, aus welchem Holz Sie geschnitzt sind.

Mein Vater hat mir mal gesagt: „Es ist besser unterschätzt zu werden, als überschätzt.“

Letztendlich wird es immer Menschen geben, die schlecht über Sie denken möchten. Die gleiche Person kann Sie heute als schwach bezeichnen, weil Sie Tränen gezeigt haben und nächste Woche als zu aggressiv, weil Sie selbstbewusst Ihre Meinung vertreten haben. Speziell als Frau im Business werden Sie oft an absurden Maßstäben gemessen.

Was kann frau dagegen tun?

Mal wieder von den Männern lernen. Nämlich selbstbewusst ihren Weg gehen und so eine kleine Episode einfach abschütteln.

Nächste Woche gibt’s dann mehr zu den absurden Maßstäben – Stichwort „Aggressive Female“!

Herzlichst

Ihre Astrid Winkeler

 

 

In letzter Zeit muss ich viel über Pippi Langstrumpf nachdenken. Zu dem stärksten Mädchen der Welt habe ich eine besondere Beziehung. Ich bin nämlich nach Ihrer Erschafferin benannt. Meiner Mama haben die Bücher von Astrid Lindgren so gut gefallen, dass Sie mir ihren Vornamen gegeben hat. 

Mir hatten es ihre Geschichten auch schon immer angetan – sei es der Michel von Lönneberga, Madita oder Ronja Räubertochter. Aber Pippi ist für mich immer ganz besonders herausgestochen. Ich habe alle Bücher gelesen und wenn die Pippi-Filme im Fernsehen liefen, dann hat meine Mutter eine Ausnahme gemacht und ich durfte auch bei gutem Wetter schauen, was sonst nicht erlaubt war.  

Pippi war cool! Dabei war sie nicht gefühlskalt, was ja cool eigentlich bedeutet, sondern hat vor Lebensfreude gesprüht. Sie war lustig und fröhlich und hat das Leben in vollen Zügen genossen. Sie hat sich um Schwächere gekümmert und großherzig geteilt. Mit ihren Freunden, dem Geschwisterpaar Tommy und der ängstlichen Annika hat sie viele wilde Abenteuer erlebt. Und stark war sie! Die Stärke hat sie für andere eingesetzt. Ihr Motto war „Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt!“

Klar, dass das einigen Ordnungshütern nun gar nicht gefallen hat. Denen war das starke, unabhängige Mädchen ganz schön suspekt.  

Deshalb wollten sie auch, dass sie nicht alleine lebt und wollten sie in ein Kinderheim stecken.  

So ist das mit den starken Frauen – die sprengen den Status Quo und die möchte so mancher gerne lieber in eine vertraute Box stecken, als ihnen ihren Freiraum zuzugestehen. 

Was hat das jetzt mit Ihnen oder mir zu tun?

Wissen Sie warum, Angela Merkel bei manchen Sitzungen selbst den Kaffee ausschenkt? Interessiert es Sie überhaupt? Sie vielleicht nicht…jedoch doch einige Journalisten so sehr, dass darüber sogar ein Artikel in der FAZ erschienen ist.

Können Sie sich das bei Donald Trump vorstellen? Oder dem geschassten Matthias Müller von VW? Undenkbar. Warum ist das so?

Weil es klassische Vertreter des vertikalen Kommunikationssystems sind. Und Frau Merkel nicht.

 

Mädchen spielen anders

In meinem letzten Post habe ich über dieses System berichtet. Und heute möchte ich Ihnen das horizontale Kommunikationssystem näherbringen. Wenn Sie eine Frau sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie sich in diesem System heimisch fühlen. Dann werden Sie bei Besprechungen dafür sorgen, dass möglichst jede Stimme gehört wird. Dann signalisieren Sie durch Lächeln Zugehörigkeit – insbesondere Ihren Mitarbeitern gegenüber. Dann kommen Sie schnell zur Sache, setzen sich liebend gerne mit inhaltlichen Themen auseinander und würden am liebsten dieses ganze zur Schaustellen und über sich und Ihre Erfolge reden, hinten runterfallen lassen. Wenn dem so ist, dann sind sie eine klassische Vertreterin des horizontalen Kommunikationssystems.

Deborah Tannen, Soziolinguistin aus USA, hat dieses System in den siebziger Jahren erforscht. Sie hat Mädchen beim Spielen beobachtet. Dabei ist ihr aufgefallen, dass Mädchen sich im Spiel anders verhalten als Jungs. Mädchen ändern Regeln ab, um ein Spiel zu verlängern. Unter Umständen sogar, um, mit Zustimmung aller, einen Sieger zu verhindern. Mädchen beziehen in einer Gruppe oft alle ein und möchten, dass alle zu Wort kommen – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Mädchen scheint es also wichtig zu sein, dazuzugehören und sich mit dem Spiel an sich auseinanderzusetzen.

In diesem System sind die beiden Achsen Inhalt und Zugehörigkeit von höchster Bedeutung. Wenn diese bedient sind, geht es den Beteiligten erstmal gut und sie können sich auf die Sache konzentrieren.

Sie fragen sich jetzt vielleicht „Was hat das Ganze denn mit mir zu tun?“.

Weitere Beiträge