Eine Leserin hat mir letztens geschrieben. Sie meinte, dass aus ihrer Sicht das Thema „Frauen in Führungspositionen“ gerade eher wieder rückläufig wird und die Verhältnisse konservativer in den Unternehmen. Das ist spannend und ich muss zugeben, Sie hat nicht Unrecht.

Einerseits ist das Thema gefühlt in aller Munde und speziell in den Medien vergeht keine Woche, dass nicht Artikel dazu erscheinen. Wenn man sich jedoch anschaut, an wen Führungspositionen gehen, dann stellt man immer noch fest, dass es nur sehr wenige Frauen sind.

In der Vergangenheit war ich äußerst irritiert, wie teilweise Führungspositionen in Unternehmen, in denen ich gearbeitet hatte, vergeben wurden. Manchmal hatte ich, und nicht nur ich, den Eindruck, dass es ausreichend war, ein Mann zu sein und anwesend – und man(n) bekam eine Führungsposition. Während viele äußerst kompetente Frauen gar nicht in Erwägung gezogen wurden.

Christine Williams* hat den Begriff des „Glass Escalators“ definiert: die gläserne Rolltreppe. Angelehnt an die gläserne Decke, führt die gläserne Rolltreppe zur überproportionalen Beförderung von Männern in von Frauen dominierten Bereichen.  Meiner Erfahrung nach gibt es dieses Phänomen auch in Unternehmen, in denen Frauen nicht dominieren.

Gründe dafür gibt es viele: sei es das Problem der mangelnden „Likability“ von kompetenten Frauen, über die Sheryl Sandberg in „Lean In“ geschrieben hat. Oder dass Manager gerne „ihresgleichen“ einstellen und fördern, wie Lauren A. Riviera in einer Studie** beschreibt.

Jetzt kann man darüber lamentieren, nur das bringt uns nicht weiter.

Ihre Freunde und Ihre Familie sind Ihr größtes Kapital. Ehrlich! Warum? Wer sonst steht uneingeschränkt auf Ihrer Seite? Wer kennt Ihre Schwächen wie niemand anderes und mag Sie trotzdem? (Hier sehen Sie mich lachen…) Wer sagt Ihnen die Wahrheit, auch wenn Sie wehtut? Und wer erinnert Sie daran, dass Sie talentiert und liebenswert sind, auch wenn Sie es gerade gar nicht sehen?

Das ist Ihre Familie und das sind Ihre Freunde.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich ohne mein soziales Umfeld nicht dort wäre, wo ich bin. Denn umso mehr beruflich der Wind um die Nase weht, umso mehr brauche ich Menschen, die mir privat den Rücken stärken.

Was viele unterschätzen, ist, dass man als Führungskraft oft alleine dasteht. Man gehört nicht richtig zum Team. Unter Führungskräften können zwar Freundschaften entstehen, jedoch sollte man sich sicher sein, dass diese Freundschaften auch mal eine Meinungsverschiedenheit im beruflichen Sinne aushalten können müssen. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Außerdem lässt die Freundschaft schnell nach, sobald man (scheinbar) um die gleichen Posten konkurriert.

Frauen schrecken aus diesem Grund oft instinktiv vor einer Führungsrolle zurück. Und ich muss sagen – das kann ich verstehen. Allerdings glaube ich, dass es gegen die Einsamkeit an der Spitze ein Gegenmittel gibt. Und das nennt sich: Privates Umfeld.

Ein gutes privates Umfeld gibt Ihnen gleich mehrere Dinge:

Es schützt Sie vor der Einsamkeit an der Spitze – bzw. es gleicht diese aus. Und zum anderen kann dieses Umfeld Ihnen Resonanzboden dienen – als Sparringspartner, mit dem Sie Ihre beruflichen Sorgen teilen und wertvollen Input erhalten können.

Ich kann glücklicherweise auf mehrere dieser Schätze zurückgreifen:

Können Sie sich noch an das letzte Mal erinnern, an dem Sie so richtig ordentlich einen auf die Mütze bekommen haben?

Was war es denn? Ein Kollege, der Ihnen im Meeting verbal eine mitgibt, nach dem Motto „Was verstehst du schon davon?“ Der Chef, der Ihnen sagt, nur um Sie zu stärken natürlich, dass Sie unter Beschuss stehen und „andere“ an Ihrer Kompetenz zweifeln würden? Oder der Vorgesetzte, der süffisant grinst, während Sie am Flughafen vor ihm an der Sicherheitskontrolle die Jacke ablegen und vernehmen lässt, dass Sie ruhig noch mehr ausziehen dürften?

Kennen Si e das, meine Damen?

Dann darf ich Ihnen gratulieren. Warum? Denn wenn es Ihnen so schon mal ergangen ist, dann haben Sie höchstwahrscheinlich etwas sehr richtig gemacht. Sie haben korrekt gelesen.

Sie haben etwas sehr richtig gemacht.

Wie komme ich darauf?

Vielleicht haben Sie schon mal das Sprichwort gehört „Einen toten Hund tritt man nicht“. Und genauso verhält es sich auch mit Angriffen in Unternehmen. Und alles was ich oben beschrieben habe, waren Angriffe. Wenn Sie attackiert werden – und jetzt setzen wir mal voraus, dass Sie nicht eine völlige Niete in Ihrem Job sind – dann geschieht das oft, weil Sie etwas richtig gemacht haben. Weil irgendjemand von Ihnen Angst hat. Weil Sie jemandem gefährlich werden. Oder weil Sie Ihren Job so gut und mit solcher Leichtigkeit machen, dass ein anderer denkt „den hätte ich auch gerne“. Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker: Der Vorgesetzte, der eine kompetente Mitarbeiterin sieht und befürchtet, dass Sie an seinem Stuhl sägt.

Sie werden also angegriffen, weil man Sie wahr- und ernst nimmt.

Weitere Beiträge