Dass Statussymbole wichtig sind, wissen wir Frauen mittlerweile. Auch wenn wir insgeheim darüber schmunzeln.

Kein Karriereratgeber, der nicht ein Kapitel über Dienstwagen, Bürogröße oder den eigenen Parkplatz auf dem Firmengelände bringt.

Der karrierebewusste Mann zeigt über Statussymbole seiner Umwelt, welchen Status – also welchen Rang – er hat. Status muss also offensichtlich wichtig sein.

Aber wussten Sie, dass es neben Status oder Rang auch noch eine weitere Achse gibt, die beachtet werden muss? Wenn Sie ein Mann sind, fragen Sie sich wahrscheinlich, warum die jetzt über was schreibt, das doch völlig klar ist. Wenn Sie eine Frau sind, fragen Sie sich vielleicht, „Wovon spricht die überhaupt?“.

Ich meine das Revier. Der Duden spricht beim Revier von einem begrenzten Bereich, den ein Tier als sein Territorium betrachtet. Lt. Wikipedia stellt das Revier eine Ansammlung von Ressourcen dar und lohnt daher auch, verteidigt zu werden. Die Verteidigung dieses Bereiches nennt man auch Territorialverhalten und das gibt es auch beim Menschen.

Warum ist das wichtig? Und was hat das mit unserem Alltag in Unternehmen zu tun?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Sie sitzen am Konferenztisch und sind von lauter männlichen Kollegen umgeben. Der Kollege rechts breitet großzügig sein privates iPhone, sein geschäftliches iPhone und sein iPad aus (habe ich genauso erlebt). Der Kollege links schiebt seine Konferenzmappe in Ihre Richtung, flegelt dann breitbeinig im Stuhl und legt noch den Arm auf Ihrer Rückenlehne ab. Sie sind froh, wenn Sie noch ein Plätzchen für Ihre Unterlagen finden, von bequem sitzen kann keine Rede sein.

Das, meine Damen, ist klassisches Revierverhalten. Da wird sich groß gemacht – breitbeinig und –armig, unterstützt von Statusgadgets. Sie können darüber lachen, lächeln, seufzen, schmunzeln, die Stirn runzeln…jedoch wird das nichts daran ändern, dass da andere sich groß machen und Sie gleichzeitig klein. Großes Revier heißt „großes Tier“. Wenn Sie dem Kollegen das jetzt durchgehen lassen, dann machen Sie gleichzeitig deutlich, dass Sie sich mit einem kleinen Revier zufriedengeben – und Sie ein kleines „Tierchen“ sind. Und wie finden wir „kleine Tierchen“? Kleine Tierchen können süß und weil sie so klein sind, kann man sie auch einfach vor die Tür setzen oder zertreten. Vor allem jedoch muss man sie nicht ernst nehmen.  

Da hilft nur eines: beim ersten Hinsetzen die Unterlagen ausbreiten, zumindest mal die Arme schön rechts und links ausladen und, sollte jemand zu nahekommen, keinen Zentimeter von der Seite weichen. Derjenige wird dann schon schnell merken, dass hier nichts an Revier zu holen ist.

Nächstes Beispiel: Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch und ein freundlicher Kollege, der jedoch auch mit Vorsicht zu genießen ist, kommt rein. Und lehnt sich an Ihren Schreibtisch. Kurz danach sitzt er fast schon drauf – auf Ihren Unterlagen. Und schaut schön von oben auf Sie runter, während Sie sich fragen, warum Sie sich eigentlich so unwohl fühlen.

Das ist Revierverhalten. Er guckt mal, was er sich in Ihrem Revier leisten kann. Und wenn er sich erst mal in Ihrem Revier breitgemacht hat, wird ihn das ermutigen, seinen Einflussbereich immer mehr zu vergrößern. Und wenn Sie zufällig noch Publikum haben, dann sendet dieses Verhalten auch eine Botschaft.

Kann man mitmachen – muss man aber nicht.

Die Lösung: Wenn so ein Kollege reinkommt, ihm gleich mal entgegen gehen, damit er sich nicht auf den Schreibtisch setzen kann. Was schnell geht, kann man im Stehen besprechen, was länger dauert, sollte sowieso eher an einem Besprechungstisch besprochen werden.

Auch wenn wir das eher lächerlich finden – Revier ist in vertikalen Kommunikationssystemen, die von Deborah Tannen, amerikanischer Soziolinguistin, erforscht wurden, neben Status die zweite wichtige Achse. Vertreter aus diesen Systemen werden Sie immer nach Ihrem Status und Ihrem Revier beurteilen. Und da der Großteil der deutschen Unternehmen von Menschen aus vertikalen Kommunikationssystemen geleitet wird, kann uns das nicht egal sein.

Diese Vertreter erwarten, dass Sie Ihren Rang klar machen und dass Sie Ihr Revier verteidigen. Wenn Sie es nicht tun, gehen sie davon aus, dass SIE nicht mitspielen möchten – und dass Ihr Revier zu haben ist. Deshalb sollten Sie mit offenen Ohren und Augen durch Ihren Alltag gehen und darauf achten, ob da nicht ein „Vertikaler“ gerade in fremden Gewässern – nämlich Ihren eigenen – fischt. Und falls dem so sein sollte, ihm auch sofort Einhalt gebieten.

Folgenden Spruch fand ich immer sehr treffend: Was haben Unternehmenspolitik und Regen gemeinsam? Man kann beides ignorieren, jedoch wird man höchstwahrscheinlich nass werden.

Genauso verhält es sich, meines Erachtens, wenn wir Rang und Revier nicht beachten.

Herzlichst

Ihre Astrid Winkeler

Dass Statussymbole wichtig sind, wissen wir Frauen mittlerweile. Auch wenn wir insgeheim darüber schmunzeln.

Kein Karriereratgeber, der nicht ein Kapitel über Dienstwagen, Bürogröße oder den eigenen Parkplatz auf dem Firmengelände bringt.

Der karrierebewusste Mann zeigt über Statussymbole seiner Umwelt, welchen Status – also welchen Rang – er hat. Status muss also offensichtlich wichtig sein.

Aber wussten Sie, dass es neben Status oder Rang auch noch eine weitere Achse gibt, die beachtet werden muss? Wenn Sie ein Mann sind, fragen Sie sich wahrscheinlich, warum die jetzt über was schreibt, das doch völlig klar ist. Wenn Sie eine Frau sind, fragen Sie sich vielleicht, „Wovon spricht die überhaupt?“.

Ich meine das Revier. Der Duden spricht beim Revier von einem begrenzten Bereich, den ein Tier als sein Territorium betrachtet. Lt. Wikipedia stellt das Revier eine Ansammlung von Ressourcen dar und lohnt daher auch, verteidigt zu werden. Die Verteidigung dieses Bereiches nennt man auch Territorialverhalten und das gibt es auch beim Menschen.

Warum ist das wichtig? Und was hat das mit unserem Alltag in Unternehmen zu tun?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Sie sitzen am Konferenztisch und sind von lauter männlichen Kollegen umgeben. Der Kollege rechts breitet großzügig sein privates iPhone, sein geschäftliches iPhone und sein iPad aus (habe ich genauso erlebt). Der Kollege links schiebt seine Konferenzmappe in Ihre Richtung, flegelt dann breitbeinig im Stuhl und legt noch den Arm auf Ihrer Rückenlehne ab. Sie sind froh, wenn Sie noch ein Plätzchen für Ihre Unterlagen finden, von bequem sitzen kann keine Rede sein.

Das, meine Damen, ist klassisches Revierverhalten. Da wird sich groß gemacht – breitbeinig und –armig, unterstützt von Statusgadgets. Sie können darüber lachen, lächeln, seufzen, schmunzeln, die Stirn runzeln…jedoch wird das nichts daran ändern, dass da andere sich groß machen und Sie gleichzeitig klein. Großes Revier heißt „großes Tier“. Wenn Sie dem Kollegen das jetzt durchgehen lassen, dann machen Sie gleichzeitig deutlich, dass Sie sich mit einem kleinen Revier zufriedengeben – und Sie ein kleines „Tierchen“ sind. Und wie finden wir „kleine Tierchen“? Kleine Tierchen können süß und weil sie so klein sind, kann man sie auch einfach vor die Tür setzen oder zertreten. Vor allem jedoch muss man sie nicht ernst nehmen.  

Da hilft nur eines: beim ersten Hinsetzen die Unterlagen ausbreiten, zumindest mal die Arme schön rechts und links ausladen und, sollte jemand zu nahekommen, keinen Zentimeter von der Seite weichen. Derjenige wird dann schon schnell merken, dass hier nichts an Revier zu holen ist.

Nächstes Beispiel: Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch und ein freundlicher Kollege, der jedoch auch mit Vorsicht zu genießen ist, kommt rein. Und lehnt sich an Ihren Schreibtisch. Kurz danach sitzt er fast schon drauf – auf Ihren Unterlagen. Und schaut schön von oben auf Sie runter, während Sie sich fragen, warum Sie sich eigentlich so unwohl fühlen.

Das ist Revierverhalten. Er guckt mal, was er sich in Ihrem Revier leisten kann. Und wenn er sich erst mal in Ihrem Revier breitgemacht hat, wird ihn das ermutigen, seinen Einflussbereich immer mehr zu vergrößern. Und wenn Sie zufällig noch Publikum haben, dann sendet dieses Verhalten auch eine Botschaft.

Kann man mitmachen – muss man aber nicht.

Die Lösung: Wenn so ein Kollege reinkommt, ihm gleich mal entgegen gehen, damit er sich nicht auf den Schreibtisch setzen kann. Was schnell geht, kann man im Stehen besprechen, was länger dauert, sollte sowieso eher an einem Besprechungstisch besprochen werden.

Auch wenn wir das eher lächerlich finden – Revier ist in vertikalen Kommunikationssystemen, die von Deborah Tannen, amerikanischer Soziolinguistin, erforscht wurden, neben Status die zweite wichtige Achse. Vertreter aus diesen Systemen werden Sie immer nach Ihrem Status und Ihrem Revier beurteilen. Und da der Großteil der deutschen Unternehmen von Menschen aus vertikalen Kommunikationssystemen geleitet wird, kann uns das nicht egal sein.

Diese Vertreter erwarten, dass Sie Ihren Rang klar machen und dass Sie Ihr Revier verteidigen. Wenn Sie es nicht tun, gehen sie davon aus, dass SIE nicht mitspielen möchten – und dass Ihr Revier zu haben ist. Deshalb sollten Sie mit offenen Ohren und Augen durch Ihren Alltag gehen und darauf achten, ob da nicht ein „Vertikaler“ gerade in fremden Gewässern – nämlich Ihren eigenen – fischt. Und falls dem so sein sollte, ihm auch sofort Einhalt gebieten.

Folgenden Spruch fand ich immer sehr treffend: Was haben Unternehmenspolitik und Regen gemeinsam? Man kann beides ignorieren, jedoch wird man höchstwahrscheinlich nass werden.

Genauso verhält es sich, meines Erachtens, wenn wir Rang und Revier nicht beachten.

Herzlichst

Ihre Astrid Winkeler